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Saul Alinsky wird 101 Jahre alt.

Saul Alinsky ist am 30.Januar 1909 geboren. Er ist am 12. Juni 1972 gestorben. Aber seine Ideen lebten weiter in unzähligen großen und kleinen Organisationen, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.

Hier Glückwunschbriefe an ihn, wo auch immer er sein mag.

Wolfgang Goede: Alinsky - eine Art Lottogewinn für mich
Alinsky wird 100, 37 Jahre davon hat er mich in vielen Lebensbezügen geleitet und mir richtig gut getan. Man könnte auch sagen, er platzte in mein
Leben wie ein Lottogewinn.

1972 kam ich als 21-Jähriger mit Aktion Sühnezeichen nach Chicago, suchte Orientierung, wollte etwas Sinnvolles lernen -- und fand dies beim Community Organizing mit Tom Gaudette und Shel Trapp sowie Jim Capraro, später 1976 in San Francisco bei Jim Dickson und Larry Gordon.

Vorher hatte ich 68 erlebt, konnte damit nie so richtig was anfangen, war mir zu verkopft und ideologisch, rechthaberisch und überhaupt ... Community Organizing dagegen war ein Werkzeugkasten des Empowerment, mehr: eine Schule fürs Leben, die auch geistig und psychologisch trainierte, mit bestechender Logik zum einen, zum anderen mit der Herausforderung, People's Victories zu ermöglichen, dazu die Menschen auch ständig herauszufordern. Insofern sind mir diese beiden Städte besonders ans Herz gewachsen, weil ich dort meine Lehrjahre verleben durfte. Später wurde ich Journalist. Als wir mit Kollegen aus aller Welt die World Federation of Science Journalists http://www.wfsj.org/ organisierten, ließ ich mich von Alinsky leiten: Der Weltverband hat
das Empowerment auf seine Fahnen geschrieben und hat ein einzigartiges Mentoring Programm begründet, das Kollegen in Drittweltländern zu kritischen Journalisten schult.

Wissenschaft und Demokratie zusammenzubringen, ist eine weitere Herausforderung, die erst einmal intellektuell gelöst werden muss, wobei Alinsky die geistigen Benchmarks setzt: http://www.fo-co.info/goede_journalism.htm. Als wir in München vor der WM 2006 gegen den Bau eines Fußballstadions gleich am Olympiadorf kämpften, war Alinsky unser Ratgeber: http://www.fo-co.info/goede-2004-weg-fuer-D.htm. Im Münchner Netzwerk Gemeinsinn hat der Alinsky-Geist in Form vieler Veranstaltungen und Trainings Eingang gefunden.

Die Arbeit in der Münchner Selbsthilfe ohne Alinsky als geistiger Seitenausleger? Undenkbar: http://www.pm-magazin.de/de/nurinternet/artikel_id459.htm
Und last but not least: Der grandiose Sieg Obamas, der mit den Mitteln des Community Organizing gelang und an dessen Kampagne ich aktiv teilnehmen durfte: http://blogs.pm-magazin.de/openscience/stories/32581/ 10 Tage vor Alinskys Hundertstem hat Obama das Präsidentenamt übernommen. Die nächsten vier Jahre werden zeigen, ob sich im Geiste des großen Meisters auch eine neue Weltpolitik gestalten lässt.
Wolfgang Goede



Günter Rausch:

Chicago der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts und Freiburg im Breisgau im Jahre 2009 unterscheiden sich in vielem. Und doch gibt es eine gewisse Verbindung. Nicht, dass wir nicht Zeiten und Welten auseinander halten könnten. So meinen wir doch, dass uns eines verbindet:

Die Ideen und Methoden des Saul Alinsky, der mithilfe des Community Organizing jenen Leuten Perspektiven gab, die oftmals nicht mehr an sich selber glaubten. Von ihm haben wir gelernt, dass der Glaube an die Kraft der vielen Menschen, mit denen niemand rechnet und auf die niemand zählt, imstande ist, die Macht der schier Allmächtigen in ihre Schranken zu verweisen. Wir haben hier in Freiburg vielen Mieterinnen und Mietern geholfen, sich zu organisieren, ihre schlummernden Kräfte zu mobilisieren und so ihren Interessen zum Durchbruch zu verhelfen. Immer wieder verhalf uns ein Blick in die Bücher Alinskys neue Ideen und Aktionen zu kreieren und vor allem den Mut und die Zuversicht zu finden, an die mögliche Macht der kleinen Leute zu glauben.

Carsten Müller:

Dear Saul David,

herzlichen Glückwunsch zum 100sten! Darf ich zu diesem Anlass an eine Anekdote aus Deinem Leben erinnern?

In einem Interview, dass Du dem Playboy – was ich bis heute nicht verstehe – gegeben hast, berichtest Du über Dich selbst: „Ja, im Kleinen habe ich das System bekämpft, seit ich sieben oder acht Jahre alt war. Ich meine, ich war die Art von Kind, das nie davon geträumt hat auf dem Rasen zu laufen, bis es ein Schild mit der Aufschrift »RASEN NICHT BETRETEN« sah, und dann darauf herumtrampelte …“1

Diese Haltung, sich nichts Unsinniges vorschreiben und verbieten zu lassen, finde ich bewundernswert. Demokratie, soll sie lebendig bleiben, braucht aktive BürgerInnen – auch Nonkonformismus und zivilen Ungehorsam.

Unsere Aufgabe ist es, deshalb Räume zu eröffnen, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene Erfahrungen des Widerstandes und des gemeinsamen Problemlösens machen können. Was leider in unserer verwalteten und ökonomisierten Welt immer schwieriger scheint …

Trotz alledem: Hoffnungsvolle Grüße.

Emden, 22.01.2009

Carsten Müller , Prof. Dr. für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven – Studienort Emden



in den USA erschienen u.a.







 

Saul Alinsky, The Man Who Inspired Obama

Interview von Sanford Horwitt (Biograf von Saul Alinsky) zum 100. Geburtstag von Saul Alinky:

[4 min 49 sec] http://www.npr.org/templates/player/mediaPlayer.html?action=1&t=1&islist=false&id=100057050&m=100057029



Day to Day, January 30, 2009 · You may not recognize his name at first, but Saul Alinsky served as the inspiration behind President Barack Obama's initiative to become a community organizer in Chicago. Fridays is the 100th birthday of the founder of the Industrial Areas Foundation. Alex Cohen talks with Alinsky biographer Sanford Horwitt about his book Let Them Call Me Rebel: Saul Alinsky His Life and Legacy and the man.(http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=100057050 )





Neu: Wolfgang C. Goede, 2008: Super Tuesday - zur Community Organizing Diskussion in Deutschland und bei den gegenwärtigen US-Wahlen

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